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Der Autor dieses Textes ist Hans Krackau, Berlin, Germany. www.krackau-web.de
Square Dance, das ist...
... ist eine Party.Wann
und wo immer sich Leute zum Square Dance treffen, begegnen sich
Menschen unterschiedlicher Herkunft zum gemeinsamen Spaß an der
Bewegung zur Musik. Hier findet man neue Freunde, man entdeckt
Gemeinsamkeiten und führt die in den Tanzpausen begonnenen
Gespräche gern bei der afterparty fort.
... ist eine Herausforderung.
Der Square Dancer tanzt nicht allein oder zu zweit, sondern in einer
Gruppe von acht. Er tanzt nicht, was ihm gerade in den Sinn kommt,
sondern hat Tanzfiguren gelernt, die er durch die Anweisungen des
Callers direkt in Bewegung umsetzt. Das ist eine hohe Anforderung an
seinen Team-Geist, an seine Merkfähigkeit und an sein
Reaktionsvermögen.
... kennt keine gesellschaftlichen Grenzen.
Zum Square Dance treffen sich Firmenchefs, U-Bahn-Fahrer,
Krankenschwestern, Bankangestellte, Arbeitslose, Ingenieure, Studenten,
Verkäuferinnen, Doktoren, Polizisten, Künstler ...(ich habe
bestimmt den einen oder anderen Repräsentanten unserer
Gesellschaft vergessen zu erwähnen). Es spielt keine Rolle, was
"einer ist" oder wo er herkommt, entscheidend ist allein, daß er
Square Dance kann und sich an die Grundregeln der Freundlichkeit und
Kameradschaft hält.
... ist unabhängig vom
Alter. Na gut, fast. Die Jüngsten fangen mit
ungefähr zehn Jahren an zu tanzen, gelernt haben
sie's oft schon früher vom Zusehen bei den
Erwachsenen. Nach oben ist keine Grenze gesetzt, solange
Körper und Geist fit sind, der Herausforderung stand zu
halten. So ist es nicht ungewöhnlich, beim Clubabend die
neunjährige Tochter und ihren über
achtzigjährigen Ur-Opa miteinander tanzen zu sehen.
... ist nicht von
gestern. Die Wurzeln des Square Dance reichen zwar
einige hundert Jahre zurück, aber der Tanz hat sich
ständig weiterentwickelt. So haben wir heute den Modern
American Square Dance, dessen Tanzfiguren in Programmen
weltweit standardisiert sind. Bei der Musik, zu der getanzt
wird, ist sicherlich für jeden Geschmack etwas dabei. In
der Palette ist natürlich Country- und Westernmusik
enthalten, aber ebenso Schlager, Popmusik, europäische
Folklore. Die musikalische Zeitachse reicht vom Golden Oldie
über Elvis bis zum Hit der aktuellen Top Ten.
... ist
gesundheitsfördernd. Die rhythmische Bewegung
zur Musik hält den Körper fit, der Kreislauf wird
auf natürliche Weise angeregt. Die schnelle Reaktion auf
die Anweisungen des callers hält den Geist in Schwung.
Es wird behauptet, daß Square Dancer mindestens zehn
Jahre länger leben.
... ist Sport.
Ehrlich, da kann man wie beim Langstreckenlauf ganz
schön ins Schwitzen geraten. Square Dance ist aber kein
Wettkampfsport, hier geht's nur um das Vergnügen. Es
ist auch keine Sportart, bei der regelmäßig
(zahlende) Zuschauer dabei sind. Obwohl schon mal bei einem
öffentlichen Auftritt vor Publikum getanzt wird. Aber
das ist keine Pflicht, sondern dient in erster Linie der
Werbung für den Square Dance und ist für den
Zuschauer natürlich kostenlos.

... ist wie eine
Droge, aber ganz anders.
Zuerst probiert man mal: Schnupperabend am Anfang der class.
Durch regelmäßigen Genuß kommt es zur
Gewöhnung: der Besuch der Übungsabende.
Die Angst vor den Folgen der stetigen Steigerung: die
Abschlußprüfung. Die Euphorie führt zu
extensivem Konsum: die bestandene Abschlußprüfung.
(Es gibt Square Dancer, die in ihrer wilden Zeit jeden Tag
einen anderen Square Dance Club besuchten; und das einen
ganzen Monat lang.) Die nun folgende Phase verläuft bei
den Square Dancern sehr unterschiedlich. Entweder entwickelt
sich eine totale Abhängigkeit, die sich in einer
weiteren Steigerung der Dosis äußert. Der Besuch
von classes höherer level ist angesagt. Oder es setzt
eine Beruhigung ein, man erkennt, daß es noch andere
Dinge neben dem Square Dance gibt, aber so richtig kommt man
davon nicht mehr los, der regelmäßige Genuß
am wöchentlichen Clubabend gehört zum
Lebensrhythmus.
Nun die technische Erklärung in aller Kürze:
Square Dance ist ein amerikanischer
Volkstanz, bei dem vier Tanzpaare an den Seiten eines
(gedachten) Quadrates - square - Aufstellung nehmen und den
Rufen des Tanzmeisters - caller - folgend, sich in
ständig wechselnden Formationen zur Musik bewegen. Dabei
obliegt es dem caller, die Figuren zu einer harmonischen
Choreographie zusammenzusetzen und die Tänzer
schließlich wieder an ihre Ausgangsposition zu
führen.
Square Dance ist ein Tanz nach Ansage. Wer wäre also
besser geeignet, die Tanzfiguren anzusagen, als der caller
(dt. Rufer)? Also, ohne caller geht's einfach nicht. In
der Frühgeschichte des Square Dance ruft der caller den
Tänzern die auswendig gelernte Choreographie ins
Gedächtnis. Heutzutage ruft er den Tänzern die
Namen von Tanzfiguren zu, die von den Tänzern dann
getanzt werden. Die Tänzer lernen nicht mehr ganze
Tänze auswendig, sondern einzelne, standardisierte
Tanzfiguren. Der caller entwickelt daraus dann die
Choreographie, also die Folge von Figuren. Das macht er
entweder im "stillen Kämmerlein" und
präsentiert sie dann den Tänzern, oder er
läßt die Choreographie während des Tanzes
entstehen. Dabei kann er den Schwierigkeitsgrad am besten an
die Fähigkeiten der Tänzer anpassen.
In der Regel ist der caller auch der teacher (Lehrer), der
den students (Schülern) einer class (Kursus) die
Tanzfiguren und die übrigen Gepflogenheiten
beibringt.

... der Anfang einer wunderbaren Leidenschaft ...
Die Class
ist der Kursus, in dem man Square Dance lernen kann.
Entsprechend den verschiedenen Tanzprogrammen, auch level
genannt, werden classes für Anfänger und
Fortgeschrittene angeboten. Für Neulinge wird in der
beginners class der Umfang des basic- und des
mainstream-Programms gelehrt. Das sind zur Zeit 66
Tanzfiguren. Damit ist der student dann reif für die
mainstream graduation, die Abschlußprüfung.
Die class erstreckt sich über ca. ein Jahr, in dem viel
Zeit zum praktischen Erfahren ist. Häufig werden die
students von den angels, das sind erfahrene Tänzer, in
ihrem Bemühen unterstützt. Dabei lernen die
students nicht nur die technischen Abläufe der
Tanzfiguren, sondern erfahren schon vom ersten Tage an,
wieviel Spaß hinter der ganzen Sache steckt. Und weil
man miteinander Spaß hat, brauchen Freundlichkeit und
Kameradschaft nicht gelehrt werden, sondern stellen sich ganz
von selbst ein.
Auch wenn paarweise im square getanzt wird, heißt das
noch lange nicht, daß man als Paar zur class kommen
muß. Singles sind genauso herzlich willkommen, wie
Paare oder ganze Gruppen.
Der Höhepunkt, auf den man ein Jahr hingearbeitet hat,
der, wenn es dann endlich soweit ist, doch eine gehörige
Nervosität aufkommen läßt, die
Bestätigung, daß man es kann ... oder doch
nicht?
Mit der graduation erwirbt der student zugleich das Recht,
bei Square Dance Verstaltungen und Clubabenden des
entsprechenden levels mittanzen zu dürfen. Das klingt
ein wenig restriktiv, macht aber Sinn: wenn jemand ohne
ausreichende Square Dance Kenntnisse mittanzen will, verdirbt
er den anderen den Spaß, weil der square
"zusammenbricht" und damit die Choreographie
zerstört ist.

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